Die drei grössten Risiken nach dem Notartermin
- Zsolt Kubecska
- vor 2 Tagen
- 2 Min. Lesezeit
Der Vertrag ist unterschrieben – doch die eigentliche Nachfolge beginnt jetzt erst. Drei Risiken, die ich in Schweizer KMU immer wieder sehe, und wie Sie sie vermeiden.

Der Notartermin fühlt sich oft wie der Schlusspunkt an: Verträge sind unterschrieben, der Kaufpreis ist geregelt, die Nachfolge ist „offiziell“ erledigt. In der Praxis beginnt jetzt aber erst die heikle Phase: der Übergang im Alltag.In meinen Mandaten sehe ich immer wieder die gleichen drei Risiken – unabhängig von Branche oder Unternehmensgrösse.
Risiko 1: Rollen bleiben unklar
Zwischen alter und neuer Welt
Der Übergeber ist offiziell draussen, sitzt aber faktisch noch im Büro, mischt sich in Entscheide ein oder wird vom Team weiterhin als „Chef“ adressiert. Der Nachfolger hat die Verantwortung, aber nicht die volle Autorität.
Typische Symptome
Mitarbeitende fragen „zur Sicherheit“ weiterhin den Übergeber.
Entscheidungen werden doppelt gefällt oder verzögert.
Der Nachfolger fühlt sich blockiert, der Übergeber nicht losgelöst.
Was hilft
Eine klare Rollenmatrix: Wer entscheidet was, wann und mit wem?
Ein kommunizierter Zeitplan, ab wann der Übergeber nur noch in definierter Rolle (z.B. externer Berater) verfügbar ist.
Gemeinsame Kommunikation an das Team: „Ab heute ist X für Y verantwortlich.“
Risiko 2: Wissen bleibt im Kopf des Übergebers
„Das weiss doch jeder…“ – leider nicht
Viele KMU leben von implizitem Wissen: Sonderlösungen für Kunden, Lieferantenbeziehungen, technische Kniffe. Nach der Übergabe ist dieses Wissen oft nicht dokumentiert – und hängt an einer Person.
Typische Symptome
Häufige Rückfragen an den Übergeber („Wie haben wir das damals gelöst?“).
Fehler bei Spezialaufträgen oder Preisgestaltung.
Unsicherheit im Team, weil niemand den Gesamtüberblick hat.
Was hilft
Gezielte „Know-how-Sprints“ über 3–6 Monate mit klaren Themenblöcken.
Gemeinsame Erstellung von Checklisten, Entscheidungsbäumen und Kunden-Dossiers.
Ein fester Slot pro Woche, in dem Wissen systematisch übergeben wird – nicht nur „zwischen Tür und Angel“.
Risiko 3: Emotionen werden unterschätzt
Nachfolge ist immer persönlich
Für den Übergeber geht es um Lebenswerk und Identität, für den Nachfolger um Anerkennung und Bewährung, für das Team um Sicherheit. Wenn diese Emotionen keinen Raum bekommen, suchen sie sich andere Wege – meist in Form von Konflikten.
Typische Symptome
Passive Widerstände im Team („Das haben wir noch nie so gemacht“).
Spannungen zwischen Übergeber und Nachfolger, die offiziell „fachlich“ sind, aber emotional geladen.
Schlüsselpersonen denken über einen Wechsel nach.
Was hilft
Moderierte Gespräche zwischen Übergeber, Nachfolger und Schlüsselpersonen.
Klare Sprache zu Erwartungen, Befürchtungen und Grenzen.
Vereinbarte „Spielregeln“ für Feedback und Entscheidungsprozesse in der Übergangszeit.
Fazit: Der Notartermin ist der Start, nicht das Ziel
Eine erfolgreiche Nachfolge entscheidet sich selten am Vertragstext – sondern in den 12–24 Monaten danach.Wer Rollen klärt, Wissen strukturiert übergibt und Emotionen ernst nimmt, reduziert die drei grössten Risiken deutlich:
weniger Konflikte
weniger Wissensverlust
mehr Stabilität für Mitarbeitende und Kunden
Wenn Sie vor oder kurz nach einem Notartermin stehen und diese Risiken früh adressieren möchten, biete ich ein unverbindliches Erstgespräch an. Wir schauen gemeinsam auf Ihre Situation und definieren die nächsten drei konkreten Schritte für eine stabile Übergabe.



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